Massenvernichtungswaffe Auto

Kinder sind im Straßenverkehr besonders schutzlos (Bild: Pixabay)

Große Betroffenheit nach Unfall mit Kind in Kufstein!

So titelt die Tiroler Tageszeitung in ihrer Ausgabe vom 20. Dezember 2019. Im Kufstein war ein Sechsjähriger auf seinem Tretroller von einem Auto erfasst, 15 Meter mitgeschleift und lebensgefährlich verletzt worden. Momentan liegt er auf der Intensivstation der Innsbrucker Klinik.

Binnen weniger Tage war das der vierte Autounfall innerhalb weniger Tage, bei dem ein Kind involviert war:

Das wirkliche Problem sind die Autos, nicht die Fußgänger

Sogenannte Verkehrsexperten betonen nun, wie wichtig die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr ist und machen eine Reihe von Vorschägen – ohne allerdings den Kern des Problems zu berühren.

Denn das wahre Problem kommt daher, dass Kfz

  1. sehr massereich sind, also viel Gewicht auf die Waage bringen;
  2. schnell sind, also viel Energie mitbringen;
  3. überall sind, man ihnen als Fußgänger oder Autofahrer also kaum ausweichen kann.

Weniger und langsamerer Verkehr

Wer wirklich etwas gegen Verkehrunfälle tun möchte, sollte daher weniger darauf setzen, dass Kinder gut sichtbar gekleidet sind oder Reflektoren tragen. Auch Assistenzsysteme in Pkw helfen nur am Rande, obwohl sie sicherlich nützlich sind. Anzusetzen ist vielmehr bei den Faktoren Geschwindigkeit des Verkehrs und der Anzahl der Pkw. Denn eines ist klar:

Je weniger Autos unterwegs sind, desto weniger Unfälle. Und je langsamer sie fahren, desto weniger gravierend die Auswirkungen, wenn dennoch ein Unfall passiert.

Über eine Million Tote pro Jahr

Für alle, die glauben, dass das Problem mit Verkehrsunfällen eh kein so großes ist, hier ein paar Zahlen:

  • In Österreich stirbt statistisch mindestens ein Mensch pro Tag bei einem Verkehrsunfall. In Deutschland sind es rund zehn Menschen täglich und weltweit 3.700 pro Tag.
  • Pro Jahr sterben laut Weltgesundheitsorganisation rund 1,3 Mio. Menschen bei Verkehrsunfällen.
  • Besonders gefährdet sind die sogenannten schwächeren Verkehrsteilnehmer, also Fußgänger und Radfahrer sowie Kinder.
  • Allein 2019 sind in Österreich 16 Kinder im Straßenverkehr ums Leben gekommen. In über zwei Drittel dieser Unfälle sind sie schuldlos beteiligt.

Kein Wunder, dass so manche das Auto als „Massenvernichtungswaffe“ bezeichnen.

Die eingebaute Vorfahrt für Autos gehört weg

Unsere Verkehrsplanung schaut leider oft noch so aus, dass so gut wie immer das Auto im Mittelpunkt steht und alles andere drumherum geplant wird. Das führt dann zu so paradoxen Situationen, dass Eltern ihre Kinder im Auto zur Schule bringen (müssen), weil das Zu-Fuß-Gehen wegen zu vieler Autos zu gefährlich ist – eigentlich ein Irrsinn!

Der Ausweg, der mehr Sicherheit bringt, besteht darin,

  1. die Anzahl der fahrenden Autos zu senken und
  2. auch die Geschwindigkeit derselben deutlich zu reduzieren.

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