Mehr Parkplätze? Echt jetzt?

Autos am Wildsee
(Stehende) Autos, wohin man schaut – kein Wunder: rund 92 % der Zeit stehen Autos, das Wort „Fahrzeug“ führt also in die Irre.

Kürzlich leitete der Tourismusverband Olympiaregion Seefeld ein E-Mail eines langjährigen Mösern-Urlaubers an den Seefelder Gemeinderat weiter. Darin hieß es u.a. (Fehler hab ich nicht ausgebessert):

Ein besonders für uns als Winterwanderer ärgerliches Thema ist die Parksituation. Ständig Geld bereithalten[,] um die Parkscheine zu lösen[,] ist lästig und einmal die Zeit für eine kleine Wanderung oder einen Bummel in Seefeld falsch eingeschätzt und schon hängt ein Strafzettel am Auto.

Könnte nicht für Urlauber in den Regionen Seefeld und Leutasch für dort ansässige Urlauber eine pauschale Wochenparkkarte in der Unterkunft angeboten.[sic,} d. h. verkauft werden (… wie die Autobahnvignette)? Das wäre für uns als Urlauber bequem und könnte Urlaubsfrust vermeiden.

Mehr Parkplätze = mehr (in der Gegend herumstehende )Autos

Nun, das Anliegen ist zwar nachvollziehbar. Es weist allerdings meiner Meinung nach in die komplett falsche Richtung! Warum?

Die Olympiaregion Seefeld und Tirol insgesamt versuchen seit Jahren, sich als naturbelassene Urlaubsdestination zu präsentieren. Im Mittelpunkt steht das Erlebnis Natur mit allem, was dazugehört: frische Luft, Ruhe, Sauberkeit, Natürlichkeit usw. Was da aber überhaupt nicht dazupasst, sind Parkplätze voll mit Autos.

Man schaue sich nur an, wie es rund um Wildsee, Möserer See, Geisterklamm oder im Gaistal an schönen Tagen ausschaut – alles voll mit Autos! Das hat nichts mit unberührter Natur zu tun und schön ist es schon gar nicht. Ganz davon abgesehen, dass es für alle, die zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs sind, ein enormes Gefahrenmoment darstellt (wer Kinder hat, weiß, wovon ich spreche…).

Was es wirklich braucht, sind also nicht mehr Parkplätze, ganz im Gegenteil.

Gefragt ist vielmehr der umfassende Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Das bedeutet erstens mehr und zweitens enger getaktete Linien.

Heute schaut es so aus, dass die Verbindung von Seefeld nach Innsbruck und zurück – zumindest untertags – recht gut ist. Die Anbindung nach Mösern und Leutasch ist allerdings ziemlich lückenhaft, in der Nebensaison geradezu lächerlich schwach. Und dass der Seefelder Dorfbus in der Nebensaison so gut wie nicht fährt, macht das Ganze nicht besser.

Busse, Radwege und Alternativ-Angebote

Mehr öffentlicher Personennahverkehr bedeutet nicht zwangsläufig mehr Busse Gerne können auch neuere Möglichkeiten wie Anrufsammeltaxis oder Carsharing-Angebote zum Einsatz kommen. Das Ziel sollte sein, dass niemand das Auto benutzen muss. Gefragt wäre also auch ein Ausbau der Fahrradinfrastruktur – aber das ist ein anderes Thema.

Nordische WM zeigt, wie’s geht

Mag sein, dass das nicht von heute auf morgen umzusetzen ist. Wir hatten allerdings vor kurzer Zeit ein eindrucksvolles Beispiel, das uns gezeigt hat, was der öffentliche Personennahverkehr am Plateau leisten könnte – die Nordische Ski-WM. Für Nicht-AnrainerInnen war Seefeld mit dem Auto nur schwer zu erreichen, aber Problem war das keines, ganz im Gegenteil. Es war sogar richtig herrlich, einmal ohne die sonst üblichen tausenden Pkw durch Seefeld zu flanieren.

Viele Menschen glauben, keinesfalls auf den eigenen Pkw verzichten zu können. Das liegt sicher auch an raumplanerischen Verfehlungen der letzten Jahrzehnte: Das Auto wurde quasi ins Zentrum aller städtebaulichen und raumplanerischen Maßnahmen gestellt, der öffentliche Verkehr kaum ausgebaut oder sogar ausgedünnt. Zum Glück beginnt hier endlich ein Umdenken.

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