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Gelungener Gag oder PR-Desaster – urteilt selbst

In den vergangenen Tagen kursierte die Geschichte einer angeblich fehlgeleiteten Pistenraupe in den deutschsprachigen Medien. Nun stellte sich heraus, dass das Ganze eine PR-Aktion des Tourismusverbandes war. (von Albert Bloch)

Auf Facebook wird diese Aktion kräftig kommentiert. Die einen sprechen von einer gelungenen Aktion und unfähigen Journalisten, die nicht nachrecherchiert hätten. Die anderen sehen mögliche Imageschäden für den Ort, denn offenbar fragten einzelne Medienvertreter sehr wohl nach, wurden jedoch mit unzutreffenden Informationen versorgt.

Hier eine kurze Presseschau zum Thema:

In ihrer Online-Ausgabe vom 28.11.2016 berichtet die Osnabrücker-Zeitung “PR-Lüge aus Tirol”. Hier kann man auch nachlesen, wie die Zeitungsleute recherchierten, wie sie jedoch bewusst in die Irre geführt wurden. Fazit: Die sind sauer.

Auch derstandard.at berichtete mehrfach über die angeblich fehlgeleitete Raupe und über die Auflösung der Aktion. Darin wird auch ein Sprecher der Tirol Werbung zitiert, der von der Austria Presse Agentur befragt wurde. Dieser meint:

“Es war gut gemeint, aber schlecht getroffen”, sagte ein Sprecher. Die Seefelder hätten zwar ihr “Ziel erreicht” und “große Aufmerksamkeit” erzielt, aber in der Tirol Werbung lege man großen Wert auf “Authentizität und Ehrlichkeit”. “Wir hoffen nicht, dass es zu einem Imageschaden kommt und das Ganze negativ auf den gesamten Tiroler Tourismus zurückfällt”, sagte der Sprecher. Künftige Aussagen der Seefelder Touristiker würden wohl, vor allem von internationalen Medien, kritisch aufgefasst werden, befürchtete man negative Folgen. Für die Tirol Werbung wäre so etwas jedenfalls nicht infrage gekommen. – derstandard.at/2000048333863/Versehentlich-in-Norddeutschland-gelandete-Pistenraupe-war-PR-Gag

Wie inzwischen bekannt ist, hat auch der österreichische PR-Ethik-Rat ein Verfahren aufgrund des Vorfalles eingeleitet. Dessen Vorsitzende Gabriele Faber-Wiener erklärte, sie wolle keine Vorverurteilung vornehmen. Es deute allerdings viel darauf hin, dass der TVB bzw. die beauftragte Agentur gleich in mehreren Punkten gegen die Ethik-Kodizes der Branche verstoßen habe. So sei es beispielsweise unzulässig, bewusst Falschmeldungen in Umlauf zu bringen.

Faber-Wiener schließt mit dem Satz: “Jeder erfahrene PR-Verantwortliche weiß, dass der Preis für diesen kurzen Aufmerksamkeitserfolg der Verlust der Glaubwürdigkeit und der Gesprächsbasis mit den Medien ist.”

“Bewusst Unwahrheit gesagt”

Scharf ins Gericht geht das Stormaner Tageblatt mit den Seefelder Touristikern. Im Vorspann zum Artikel “Alles Lüge: Verirrte Pistenraupe war PR-Aktion” bezichtigt es den TVB, Journalisten belogen zu haben.

Wie viele andere Medien habe das Blatt die Geschichte von der Deutschen Presseagentur übernommen. Die DPA sagt dazu auf ihrem Twitter-Account:

dpa

Die DPA führt dazu weiter aus (hier nachzulesen):

“Es wäre von vornherein besser gewesen, sich nicht allein auf die Aussagen des Geschäftsführers Walser zu verlassen – auch wenn nicht zu erwarten war, dass eine Person in dieser verantwortlichen Position auf derart konkrete Fragen bewusst die Unwahrheit sagt.”

Auf dem Online-Portal der Münchner Tageszeitung kann man nachlesen, wie die DPA offenbar bewusst in die Irre geführt wurde. Der DPA-Journalist habe im TVB nachgefragt, ob das Ganze nur eine Verarsche sei. Als Antwort habe er erhalten: “So was kann man nicht planen.”

Was bleibt?

Egal, wie man zu der Aktion steht, für mich bleiben folgende Fragen offen:

  • Wiegt der kurzfristig entstandene Werbeeffekt die Image-Schaden bei seriösen Medien auf?
  • Wie kann es sein, dass eine PR-Agentur offenbar ganz bewusst gegen die PR-Grundsätze der Branche verstößt?
  • Warum werden solche Aktionen nicht so geplant, dass man bei der Wahrheit bleiben und dennoch einen Imagegewinn haben kann?